Recht & Pflichten

Zeiterfassung für Azubis und Jugendliche: Jugendarbeitsschutzgesetz, Berufsschule, Pausen und Urlaub

Für minderjährige Azubis gelten strengere Regeln als für erwachsene Beschäftigte: kürzere Arbeitszeit, längere Pausen, keine Nachtarbeit, Anrechnung der Berufsschule. Wir erklären das Jugendarbeitsschutzgesetz kompakt und zeigen, wie Betriebe die Zeiten von Azubis rechtssicher erfassen.

8 Min. Lesezeit Aktualisiert am 03. Oktober 2026von der worktrackr Redaktion
Auszubildender lernt mit Ausbilder im Betrieb – Zeiterfassung für Azubis nach Jugendarbeitsschutzgesetz

Azubis sind Arbeitnehmer – und damit gilt für sie die Zeiterfassungspflicht wie für alle anderen. Für Auszubildende unter 18 Jahren kommt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) hinzu, das strengere Grenzen setzt und zusätzliche Aufzeichnungspflichten enthält. Wer das nicht beachtet, riskiert Bußgelder bis 30.000 € und Ärger mit Kammer und Gewerbeaufsicht. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was Ausbildungsbetriebe wissen und wie sie die Zeiten ihrer Azubis sauber erfassen.

Minderjährige Azubis: die Grenzen des JArbSchG

RegelVorschriftInhalt für unter 18-Jährige
Tägliche Arbeitszeit§ 8 JArbSchGMax. 8 Stunden; bis 8,5 Stunden, wenn an anderen Tagen der Woche kürzer gearbeitet wird
Wöchentliche Arbeitszeit§ 8 JArbSchGMax. 40 Stunden
5-Tage-Woche§ 15 JArbSchGNur fünf Tage pro Woche; die beiden freien Tage möglichst aufeinanderfolgend
Pausen§ 11 JArbSchG30 Minuten bei 4,5–6 Stunden, 60 Minuten bei mehr als 6 Stunden; erste Pause spätestens nach 4,5 Stunden; Blöcke mind. 15 Minuten
Tägliche Freizeit§ 13 JArbSchGMindestens 12 Stunden zwischen Arbeitsende und nächstem Beginn
Nachtruhe§ 14 JArbSchGKeine Beschäftigung zwischen 20 und 6 Uhr; Ausnahmen u. a. Gastronomie bis 22 Uhr, Bäckereien ab 5 Uhr (ab 17 Jahren ab 4 Uhr), Schichtbetriebe bis 23 Uhr, Landwirtschaft
Samstag / Sonntag§ 16, 17 JArbSchGGrundsätzlich frei; Ausnahmen z. B. Gastronomie, Pflege, Verkauf (Samstag), Landwirtschaft – dann Ersatzruhetag in derselben Woche; mind. 2 Samstage und 2 Sonntage im Monat frei
Urlaub§ 19 JArbSchG30 Werktage (unter 16), 27 (unter 17), 25 (unter 18) – jeweils Alter zu Jahresbeginn; Werktage = Mo–Sa

Berufsschule: so wird sie angerechnet

Seit 2020 gilt für alle Azubis (auch volljährige) nach § 15 Berufsbildungsgesetz: Ein Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden (à 45 Minuten) wird einmal pro Woche mit 8 Stunden auf die Arbeitszeit angerechnet – der Azubi muss danach nicht mehr in den Betrieb. Eine Blockwoche mit mindestens 25 Unterrichtsstunden an fünf Tagen zählt mit 40 Stunden (bzw. der wöchentlichen Ausbildungszeit). Vor einem Berufsschultag, der vor 9 Uhr beginnt, darf der Azubi nicht beschäftigt werden. Auch Unterrichtszeiten und Pausen in der Schule zählen als Ausbildungszeit. Praktisch heißt das für die Zeiterfassung: Berufsschultage werden als Soll-Erfüllung gebucht, nicht als Fehlzeit – sonst entstehen fälschlich Minusstunden.

Praxistipp: Hinterlege für jeden Azubi die eigenen Soll-Stunden (max. 8 pro Tag, 40 pro Woche). Berufsschultage trägt der Azubi mit einer Zeitkarte „Berufsschule“ und den angerechneten 8 Stunden ein – das Soll des Tages gilt als erfüllt, das Konto bleibt korrekt.

Volljährige Azubis: was gilt?

Ab dem 18. Geburtstag gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht mehr. Dann greifen das Arbeitszeitgesetz (8 bzw. 10 Stunden, 11 Stunden Ruhezeit, Pausen 30/45 Minuten) und das Bundesurlaubsgesetz (mindestens 24 Werktage bei 6-Tage-Woche bzw. 20 bei 5-Tage-Woche). Die Berufsschulanrechnung nach § 15 BBiG bleibt bestehen. Ausbildungsverträge und Tarifverträge sehen oft kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub vor – diese gehen vor.

Aufzeichnungspflichten für Azubis

  • Allgemeine Pflicht: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Ausbildungszeit (BAG-Urteil 2022) – für alle Azubis.
  • § 49 JArbSchG: Arbeitgeber müssen für Jugendliche ein Verzeichnis führen (Name, Geburtsdatum, Beschäftigungsbeginn, Ausbildungsart) und die ärztliche Erstuntersuchung (§ 32) sowie die Nachuntersuchung (§ 33) dokumentieren.
  • § 16 ArbZG (ab 18): Arbeit über 8 Stunden sowie Sonn- und Feiertagsarbeit aufzeichnen.
  • Ausbildungsnachweis (Berichtsheft): Inhaltlicher Nachweis nach § 13 BBiG – ersetzt nicht die Zeiterfassung, ergänzt sie.
  • Aufbewahrung: Verzeichnis und Untersuchungsbescheinigungen bis zum Ausscheiden, mindestens aber zwei Jahre; Arbeitszeitnachweise zwei Jahre.

Typische Fehler im Ausbildungsbetrieb

  • Azubi arbeitet wie die Gesellen: 9 Stunden auf der Baustelle plus Fahrt – für unter 18-Jährige ein klarer Verstoß gegen § 8 JArbSchG. Fahrzeiten zählen mit.
  • Pause wie bei Erwachsenen: 30 Minuten bei 8 Stunden reichen für Minderjährige nicht – es müssen 60 Minuten sein.
  • Berufsschultag als Fehltag gebucht: erzeugt Minusstunden, die der Azubi dann „nacharbeiten“ soll – unzulässig.
  • Samstagsarbeit ohne Ersatzruhetag: Im Handwerk möglich, aber nur mit freiem Tag in derselben Woche und mindestens zwei freien Samstagen im Monat.
  • Nachhilfe am Abend: Betrieblicher Unterricht nach 20 Uhr ist Beschäftigung und für Minderjährige verboten.

worktrackr erfasst Azubi-Zeiten wie alle anderen – mit eigenen Soll-Stunden (8-Stunden-Grenze, 40-Stunden-Woche), angepasster Pausenregel und Berufsschultagen über eine eigene Zeitkarte. Der Ausbilder sieht in der Tagesübersicht sofort, wenn ein Tag zu lang wird. Kostenlos bis 5 Nutzer.

Weiterführende Ratgeber

Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Ausbildungs- und Tarifverträge sowie Kammerregelungen können abweichen – im Zweifel die zuständige Kammer fragen.

Häufige Fragen

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